Ich habe mir heute aus Neugier mal Bazzite auf meinen Spiele-PC installiert, auf dem normalerweise Arch lief.
Die Installation und die oberflächliche Einrichtung waren wirklich einfach. Laut Doku wird 2x wöchentlich das Grundsystem in Form von neuen Images bereitgestellt/aktualisiert. Das Update passiert, ohne Zutun, im Hintergrund und wird beim nächsten Neustart scharfgeschaltet.
Dazu hat man per Bootloader die Möglichkeit in die alte Installation zu booten oder diese mit einem einzelnen Kommando wiederherzustellen, wenn man dauerhaft zurück möchte. Das Installieren der Flatpaks, welche als Hauptquelle für bentuzerdefinierte Apps dienen ist auch sehr einfach gestaltet.
Soweit so gut, aber als ich dann meinen Kalender in Form von Merkuro installieren wollte ging der Spaß los. Als Flatpak gab es nur den Gnome-Calendar, dieser hat mir aber nichts genützt, weil die Online-Accounts nicht verwendet werden können. Merkuro, den KDE Kalender, gibt es nicht als Flatpak (oder ich hab ihn nicht gefunden). Auf einem immutable System mal eben eine App auf konventionelle Weise nachzuinstallieren ging, nach kurzer Suche, auch, aber die diversen Disclaimer die darauf hinwiesen, dass mit solchen benutzerdefinierten Layern Konflikte mit dem Base-Image entstehen können, geben einem schon zu denken.
Bazzite zieht die Daten aus irgendwelchen Images, einen Installationverlauf bekommt man nicht so richtig detailliert angezeigt. Abhängigkeiten wurden nicht korrekt gezogen und ich musste auf Verdacht weitere Pakete installieren, bis der Kalender wirklich lauffähig war.
Am Ende der Grundeinrichtung und meines bisher kurzen Versuchs, bleibt mir folgendes vorläufiges Fazit:
Wenn man nur an der Oberfläche kratzt und sich um nichts kümmern/sich mit nichts auseinandersetzen möchte, ist das alles ziemlich einfach, geradlinig und optisch ansprechend. Die Updates sind unkompliziert, da vordergründig nicht wahrnehmbar.
Wenn man aber speziellere Punkte hat, die von der Klicki-Bunti Umgebung nicht abgedeckt sind, wird es schnell unverhältnismäßig kompliziert, um ehrlich zu sein komplizierter als mit konventionellen Distributionen. Da ist die Lernkurve am Anfang zwar etwas steiler, aber dafür sieht man alles, hat alle Freiheiten und lernt noch was dabei.
Dadurch, dass bei Bazzite auf den ersten Blick alles verdeckt passiert, um es vordergründig einfach zu machen, gibt man gefühlt die Zügel aus der Hand und muss ein großes Vertrauen in das Aufbringen was im Hintergrund passiert.
Ich muss meinen Kommentar von gestern doch etwas revidieren und glaube mit einem konventionellen Linux fährt man (noch) auf Dauer besser, außer man möchte sich wirklich so garnicht damit auseinandersetzen, was auf dem eigenen System passiert.
Nicht falsch verstehen, das was Bazzite vorgibt zu machen, macht es wirklich gut. Aber ob auf Dauer damit glücklich wird sei mal dahingestellt.